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Mal träumte ich …
An den Iran hab ich mal geglaubt,
just nach dem Sturz vom Schah.
Doch was Khomeini sich dann erlaubt,
ich nur noch mit Entsetzen sah.
Zu Palästina hab ich mal gemeint,
es könnte dort bald Frieden sein:
Araber und Juden wirklich geeint!
Er war wohl zu süß, mein Wein.
Aus Afghanistan, hab ich mal geträumt,
verschwänden endlich die Taliban.
Von Bergen mit Mohnfeldern gesäumt,
kamen sie wieder heran.
In Afrika, hab ich mal gehofft,
würdens die Afrikaner schon selber machen.
Doch leider gerieten sie allzuoft
an den Großmacht-Höfen zu Narren.
Im Irak, wenn keiner wacht,
meint ich, ginge die Hoffnung zu Grunde:
Einstmals hatte Bush doch gelacht,
als er mit Saddam noch im Bunde.
Die Syrer, hab ich mal gedacht,
seien schon sehr viel weiter.
Doch hat der IS mit dem Teufel gelacht,
und der Tod wurde sein Begleiter.
Die Kartoffel ist schuld
… sagen die Anthroposophen und raten Folgendes:
Drückt die Kartoffel dir auf die Blase,
so atme tiefer durch die Nase.
Klemmt sie dir auch Herz und Lunge,
so hechle mit gestreckter Zunge.
Liegt sie dir mal schwer im Magen,
helfen and´re Lebenslagen.
Geht mir solch Leiden auf den Geist,
schieb ich´s auf Dich, dass Du´s nur weißt!
Wenn Seiten keine Blätter sind
Blätter, raschelnd im Winde,
Zweige, peitschend im Sturm,
Stämme, sich beugend dem Orkan,
Schreiben als Anker.
Die Frage lautet, wie lange noch?
Oder: Wann kommt die Säge,
wann die Axt?
Standhalten bis zum Schlussstrich?
Was ist, wenn Blätter Seiten sind?
Was raschelt dann im Wind?
Was peitscht dann, beugt sich dann
wem, wenn Blätter Seiten sind?
IKEA-Welt, für eine Welt ohne Kinder?
Um die Jahreswende schon gelang er in unseren Briefkasten – der neue Katalog von IKEA. Sein Motto richtet sich offenbar an Individualisten. Sein Inhalt aber bietet trotz kunterbunter Farben nur Bilder zu genormter Einrichtungs-Tristesse.
Zunächst mal diese Grobklotzigkeit: Ecken und Kanten, wohin man blickt. Dick aufgetragen: Baukasten-Land aus Leimholz, Stahl und Plastik in Küche, Bad und überall. Ja, sogar Polsterungen müssen in den rechten Winkel passen, nicht nur das Eck-Sofa. Wer etwas Abwechslung sucht, wird möglicherweise im Retro-Design der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts fündig. Zum abgebildeten Tischchen in Nierenform passt dann durchaus das Drehsesselchen im Schalen-Design. Oder wer will sich schon in einem einschließlich Armlehne kantigen Schaukelstuhl für 99 EURO einkuscheln? Und dann diese so geräuschvollen, weil knalligen und schreienden Farben! Liebe Individualisten, solltet ihr euch wider besseren Karriere-Wissens doch einmal für eine Elternphase zusammentun, um Kinder in eure IKEA-Welt zu setzen, dann aufgepasst: Nicht eine Ecke des Mobiliars ist auch nur annähernd kindersicher! Habt Ihr schon mal Kinder einfach aus Freude toben sehen, etwa beim Fangenspielen um Tisch, Bank und Stühle, beim Ausrutschen und Purzeln? Oder jene Katalog-Küchenszene: Kinder, frage ich, habt ihr schon mal Mami und Papi in der Küche beobachtet, etwa beim umworbenen „Plauder-Kochen“ auf IKEA-Hockern vor der Mikrowelle?
Was also hat IKEA dann noch mit unserer Wirklichkeit, mit unserer Wahrnehmung zu tun? Oder schon alles?
Johannes und die Bilder
Es gibt Kinder, die malen Bilder. Aber es gibt auch Kinder, die sehen sich viel lieber Bilder an. Keine gerahmten Bilder zu Hause an der Wand oder echte Gemälde in Museen, sondern Bilder vom Fernseher oder Computer. Hauptsächlich bewegte Bilder, also Filme, aber auch Handy-Fotos oder Fotos von der Digitalkamera.
Auch Johannes liebte Filme und digitale Bilder über alles. Seine größte Leidenschaft waren unheimliche Abenteuer-Filme oder phantastische Geschichten auf DVD oder auch altertümliche Science-Fiction-Videos seiner Eltern. Er drehte auch selbst so manches Filmchen mit der Digitalkamera seines Vaters. Am liebsten machte er dies unbemerkt von seiner Umgebung. Ob Tante Charlotte auf Mutters Geburtstagsfeier sich mit der Kuchensahne bekleckerte oder Papa am Abend weinbeschwipst Oliven mit der Kuchengabel zu fangen suchte, stets fand er einen lustigen Anlass zu filmen oder auch nur Schnappschüsse zu machen.
Johannes wohnte seit Kurzem mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester in einem neuen Reihenhaus. Der kleine Garten hinter dem Haus bestand nur aus einer frisch eingesäten Rasenfläche vor der Terrasse. Aber die Eltern hatten sich Mühe gegeben, den Kindern dort alles schnell so einzurichten, wie es fast einem richtigen Spielplatz entsprach. So stand mitten drin eine gelb-blaue Plastik-Schaukel neben einem Sandkasten, auch ein Plastik-Spielhaus mit rotem Dach hatte der Vater errichtet.
Eben bunt und vor allem lebendig sollte es sein, das Bild, das der Vater von Haus, Garten und Familie Anderen gemacht hatte.
Als eines Nachts am Heiligabend der bunt geschmückte Weihnachtsbaum in Flammen aufging, versuchten Mama und Papa aufgeregt den Brand mit Wasser und Decken zu löschen. Und es gelang – der Schreck aber war groß, das Wohnzimmer durchnässt und überall schmückten schwarze Rußteilchen Wände und Möbel. Ich weiß es genau, denn Johannes hatte alles mit seiner neuen Handykamera gefilmt.
Orientierungshilfen: Lesen und handeln
Ich finde es Anfang des neuen Jahres 2016 sehr wichtig, Heinrich August Winklers „Geschichte des Westens“ sowie Jose Antonio Marinas „Lob der Intelligenz“ zu bewerben, gerade angesichts des aktuellen Hypes um die kommentierte Neuauflage von Hitlers „Mein Kampf“.
Heinrich August Winkler (2009-2015): Geschichte des Westens. 4 Bände.- Beck, München.
Band 1: Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert. 2009. ISBN 978-3-406-59235-5;
Band 2: Die Zeit der Weltkriege. 1914–1945. 2011. ISBN 978-3-406-59236-2;
Band 3: Vom Kalten Krieg zum Mauerfall. 2014. ISBN 978-3-406-66984-2;
Band 4: Die Zeit der Gegenwart. 2015. ISBN 978-3-406-66986-6.
José Antonio Marina (2006): Lob der Intelligenz oder Die Überwindung der Dummheit.- WBG, Darmstadt. ISBN 978-3-534-19870-2
Virtuelle Realität und Roboter: Wer entwickelt wen wofür?
Sie palettieren, sortieren, lackieren, schweißen, stapeln, putzen und bauen Produkte zusammen. Und sie spielen weltmeisterlich Schach wie vor Jahren schon IBMs Deep Blue. Aber auf dem Vormarsch sind heute persönliche Dienstleistungs-Roboter.
Sogar Theologen machen aus ihrer Begeisterung für VR und Roboter kein Hehl. Eine promovierte deutsche Theologin am MIT Artificial Intelligence Lab (USA) etwa, die das dortige Humanoiden-Forschungsprojekt COG aus ethischer Perspektive begleitete, sah prinzipiell keinerlei moralisch-ethische Grenzen für die Roboterentwicklung und postulierte entsprechend: „Wir würdigen Gott, wenn wir kreativ sind. Wir würdigen ihn am meisten, wenn wir den Menschen nachbauen.“ Irgendwann könnte ein Roboter ihr widersprechen.
Alte Visionen, neue Diskussionen?
Von einer viel älteren Vision, die aktuell in der Diskussion über Arbeitslosigkeit und Bedingungsloses Grundeinkommen auf Interesse stoßen könnte, kündeten bereits die ökonomischen Überlegungen in dem Harry Piel-Film „Der Herr der Welt“ von 1934: Roboter ersetzen darin Zug um Zug schon den Menschen in der industriellen Produktion. Vom Produktivitätsgewinn fließt aber ein Teil an die Arbeiter, die nun arbeitslos geworden sind. Erklärter Zweck der Volkswirtschaft im Film ist es nämlich, den Menschen ohne notwendig erforderliche Lohnarbeit ein Auskommen zu ermöglichen. Gewinnt diese alte filmische Aussage nicht endlich einmal an Bedeutung, gerade unter den Arbeitslosenzahlen Eu-weit heute? Dem steht noch die Behauptung der Industrie entgegen: „Industrial Robots save production locations and millions of jobs!“ (International Federation of Robotics – IFR, 2014)

Deutschland ist laut International Federation of Robotics (2015) heute der fünftgrößte Robotermarkt der Welt.
Schon Ende 2008 hatten weltweit mehr als 1 Mio. Industrieroboter, 4,4 Mio. Service-Roboter und 2,8 Mio. Roboter für Unterhaltung- und Freizeit an allen erdenklichen Einsatzorten gearbeitet, wie das IFR Statistical Department in seinem Bericht „World Robotics 2009“ mitteilte. Führend war Japan mit 310 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigte (2008), gefolgt von Deutschland mit einer Industrieroboter-Dichte von 234 pro 10.000 Beschäftigte in der Verarbeitenden Industrie (2008). Zwischen 2008 und 2013 wuchs dann der Gesamtumsatz von Industrierobotern im Jahresmittel um rund 36 Prozent. Japan nimmt im Bereich der Roboterherstellung heute den weltweiten Spitzenplatz ein: Mehr als die Hälfte aller Roboterlieferungen weltweit kamen 2013 aus Japan, dem am stärksten automatisierten Land der Welt! Und jeder fünfte weltweit verkaufte Roboter wurde in China installiert.
R 100, ein Kommunikationsroboter, galt als erste Stufe eines „personal robot“. Seine Kriterien: Er sollte nett aussehen, eine nette Stimme haben und am Gesicht seinen Herrn erkennen können. Doch nicht nur mit der Gesichtserkennung haperte es und klappte es auch später noch nicht so richtig. Inzwischen liegen der Humanoid P3 und sein Nachfolger ASIMO des japanischen Honda-Konzerns jedoch schon weit vor ähnlichen Entwicklungen. Sollen wir uns als gebrechliche Alte oder Kranke einmal von Robotern bedienen und pflegen lassen? Wahrscheinlich, denn Politik und Wirtschaftskonzerne befördern schon seit Jahren mit dreistelligen Millionen-Beträgen die entsprechende Forschung in sogenannten Humanoiden-Projekten.
Allrounder ASIMO von HONDA: 1,30 m groß, 54 kg schwer, bis zu 6 km/Std. schnell

ASIMO in 2014: 1,20 m groß, 52 kg schwer. Hier begeistert er die Besucher auf der „International Autoshow“ in New York © DPA
Aber, je menschenähnlicher Bewegung und Aussehen werden, desto unheimlicher werden uns Roboter.
Der 2006 verstorbene polnische Science Fiction-Autor und Philosoph Stanislaw Lem warnte schon vor bloßem Kopieren und Perfektionieren: „Wir sollten vorsichtig sein… und unterscheiden, was wir haben, von dem, was wir haben könnten und was die ferne Zukunft bringt.“
Bedingungsloses Grundeinkommen – oder warum der Teufel immer wieder den längeren Atem haben wird
Eine kurze Schöpfungsgeschichte, unter Ökonomen häufig kolportiert (ähnlich natürlich auch besonders unter Juristen):
„Am ersten Tag schuf Gott die Sonne.
Worauf der Teufel nachzog und den Sonnenbrand schuf.
Am zweiten Tag schuf Gott das Geschlecht.
Der Teufel schlug zurück und schuf die Ehe.
Am dritten Tag schuf Gott einen Ökonomen.
Was für eine Herausforderung für den Teufel.
Er dachte lange nach, und schließlich schuf er …
Einen zweiten Ökonomen.“
Anonymus oeconomicus
Ein Recht auf Einkommen. Bedingungsloses Grundeinkommen für Alle.
Radikal denken und schrittweise handeln
Die Frist zur Unterzeichnung der Petition von Erzieherin Susanne Wiest war bis zum 17.2.2009 verlängert worden – aufgrund der technischen Probleme, die die Petitions-Webseite des Bundestages mit dem Unterzeichner-Ansturm hatte! Bei Erreichen von 50.000 Unterzeichnern hätten sich die Abgeordneten offen mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens auseinandersetzen müssen. Am 16.2. überschritt die Stimmabgabe die 41.000er Marke – letztlich wurde sie von 52.973 Befürwortern mitgezeichnet. Die Anhörung hatte am Montag, den 8. November 2010 stattgefunden. (Ergebnis s. im Netz)
Was waren außer Frau Wiests persönlicher Betroffenheit die allgemeinen Hintergründe?
Seit Jahren bilden Millionen Arbeitslose eine konstante Größe in unserer Gesellschaft. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit variieren über viele Jahre hinweg zwischen drei und fünf Millionen Arbeitslose. Jährlichen Einfluss auf die genaue Zahl (nicht auf die Dimension) nehmen immer schon nur Konjunkturschwankungen, Änderungen und/oder Anpassungen der statistischen Zählweise oder der EDV-Systeme (Bund/Länder/Gemeinden) oder auch alles zugleich. Nach dem befristeten Bezug von Arbeitslosengeld schauen die Betroffenen in das offene Visier von Hartz IV. Das bedeutet: Offenlegungszwang sämtlicher Spar- und Einkommensverhältnisse; Aufbrauchen des Ersparten bis auf durch heftige Proteste den Politikern abgerungene Zugeständnisse an die Altersvorsorge; eine Bedarfsprüfung auf Hartz IV-Regelsatz-Anspruch und Mietkostenbeihilfe (ohne Stromverbrauch) bis auf den Cent- und Wohnquadatmeter-Nachweis. Nach Zusammenlegung verschiedener Beihilfezuständigkeiten erfolgte dann 2005 die Gleichstellung aller Hilfesuchenden (sogenannte Hartz IV-Gesetzgebung), ob jahrelang berufstätig oder nie, ob hochgebildet oder sonderbeschult, ob 18- oder 55-jährig. Die persönliche Leistungs- und Lebensbiographie spielte und spielt keine Rolle. Verwaltungsangestellte oder –beamte entscheiden, teilen zu oder entziehen das Wort. Die Sozialgerichte wurden und werden mit Klagen überhäuft und sind personell überfordert.
Dagegen war einer aufgestanden und mit ihm wurden und werden es ständig mehr. Er begeisterte immer wieder seine Zuhörer, verblüffte seine Kritiker mit gediegenem wirtschaftlichen Durchblick und menschlicher Offenheit. Er stellte den Menschen in den Mittelpunkt: Der Millardär Götz Werner kämpfte und kämpft für die Hartz IV-Betroffenen und gegen die ungleiche Arbeits- und Einkommensverteilung in Deutschland.
„Dieses manische Schauen auf Arbeit macht uns alle krank. Und was ist denn Hartz IV? Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität. … Wir brauchen ein Recht auf Einkommen. Ein Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen“, so Götz Werner.
Ob im Hörsaal, in der Talkshow oder auf einer Podiumsdikussion, persönlich wirkte der Unternehmer, Anthroposoph und Professor ohne Studium, ja ohne Abitur authentisch und kompetent. Hier dachte einer, während er sprach, hier gelang es jemandem, glaubwürdig zu überzeugen.
Prof. Werner ging dabei an die Wurzeln unseres Sozialstaats, der Grund dafür, dass ihm starke Vorbehalte seitens der politischen Zunft entgegengebracht wurden.
Unser sozialstaatliches Denken und Handeln ist eben immer noch in der Tradition Bismarckscher Prägung angelegt, also im Selbstverständnis eines weitgehend binnenräumlichen Wirtschaftens, obwohl davon in dieser Zeit eigentlich keine Rede mehr sein kann. Angesichts der europäisch bis global beeinflussten Sozial- und Wirtschaftsverhältnisse heute ist jeder einzelne Bürger angesprochen, seine Begriffswelt neu zu überprüfen.
Mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens konfrontierte Götz Werner die Politiker und schaltete sich in die öffentliche Debatte ein. Werner appellierte dabei an das eigene Denken eines jeden Einzelnen.
Wir leben in der totalen Fremdversorgung, Selbstversorgung spielt kaum noch eine Rolle. Viele meinen noch heute, sie lebten von ihrer eigenen Leistung, müssten zur Altersvorsorge für ihre eigene Rente sorgen. Tatsächlich leben wir aber immer von der Leistung anderer, wir leisten für andere, und wir müssen damit rechnen, dass andere mit unserer Leistung rechnen. Unsere sozialen Verhältnisse entstammen heute noch aus der Selbstversorgungs- oder Binnenwirtschaft, obwohl wir inzwischen in einer absoluten Fremdversorgungswirtschaft mit globaler Arbeitsteilung leben. Notwendig wären daher Verhältnisse, die nicht nur selbst initiativ sind, sondern neue Initiativen hervorbringen. Unter Arbeit wird gemeinhin Arbeit an den Naturgrundlagen und der Materie, also in der Produktion und in produktionsnahen Dienstleistungen verstanden. Dabei herrscht aber ein riesiger Mangel an „Kulturarbeit“: nämlich Bildungsarbeit, Erziehungsarbeit, Elternarbeit, Sozialarbeit, kurzum – menschenzugewandte Arbeit. Darin geht es nicht etwa um Produktivität, sondern um menschliche Zuwendung; es geht nicht um Sparsamkeit, sondern im Gegenteil um Freizügigkeit; es geht nicht um Einkommens- sondern um Sinnmaximierung. Kulturarbeit ist keine leitungsgebundene Arbeit, sondern bedarf eben der einzelmenschlichen Initiative. Natürlich ließe sich ihr monetärer Wert auch berechnen, wenn man die Einkommen derjenigen zugrunde legte, die nur durch diese Kulturarbeit möglich ist: etwa die der Eltern, während Erzieher deren Kinder in Tagesstätten betreuen. Solche Arbeit ist prinzipiell unbezahlbar, eine Gesellschaft kann sie nur ermöglichen. Das bedingungslose Grundeinkommen soll der Ermöglichung solcher Arbeit dienen und nicht der Arbeitsverhinderung. Es soll wirkliche Arbeitsplätze schaffen und nicht nur Einkommensplätze! Finanziert werden soll das Ganze über eine Erhöhung der indirekten Steuern, insbesondere durch eine kräftige Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Luxusgüter. Und durch Einsparung der Arbeitslosenverwaltung und weiterer Teile bundesdeutscher Behördenapparate, deren Tätigkeit dann überflüssig würde.
Viele Bürger und Politiker, Unternehmer und Wissenschaftler zweifeln. Sie sehen in einer solidarischen Bürgerversicherung eher eine sinnvolle Erweiterung unseres Sozialstaates. Auch wird mehr Eigenverantwortung des Einzelnen im Hinblick auf seine Gesundheits- und Altersvorsorge als kaum zumutbar angesehen. Die Unter- und Mittelschichten, nicht die durch Erbschaft und Herkunft Betuchten, trügen jedenfalls die Hauptlast der Kosten. Auch die Mehrwertsteuer wird als Finanzierungsquelle misstrauisch angesehen, nimmt sie doch keine Rücksicht auf die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der Bürger, z. B. kinderreicher Familien, deren Konsumgüterbedarf immer recht hoch ist. Zuguterletzt: Es scheint, dass für die Mehrheit der Bevölkerung die Bedürftigkeit Einzelner und die Frage eine Rolle zu spielen scheint, warum jemand in eine Notlage geraten ist. Hierzu werden mit Recht Antworten und politisches Handeln erwartet. Und es scheint sich wohl leider auch eine Jahrhunderte alte Grundhaltung wieder im leise und laut geäußerten Wort auszudrücken: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“ Fällt das nicht auf diejenigen zurück, die selbst nicht arbeiten, sondern ihr „Geld arbeiten lassen“?

