Virtuelle Realität und Roboter: Wer entwickelt wen wofür?

Sie palettieren, sortieren, lackieren, schweißen, stapeln, putzen und bauen Produkte zusammen. Und sie spielen weltmeisterlich Schach wie vor Jahren schon IBMs Deep Blue. Aber auf dem Vormarsch sind heute persönliche Dienstleistungs-Roboter.

Sogar Theologen machen aus ihrer Begeisterung für VR und Roboter kein Hehl. Eine promovierte deutsche Theologin am MIT Artificial Intelligence Lab (USA) etwa, die das dortige Humanoiden-Forschungsprojekt COG aus ethischer Perspektive begleitete, sah prinzipiell keinerlei moralisch-ethische Grenzen für die Roboterentwicklung und postulierte entsprechend: „Wir würdigen Gott, wenn wir kreativ sind. Wir würdigen ihn am meisten, wenn wir den Menschen nachbauen.“ Irgendwann könnte ein Roboter ihr widersprechen.

Alte Visionen, neue Diskussionen?

Von einer viel älteren Vision, die aktuell in der Diskussion über Arbeitslosigkeit und Bedingungsloses Grundeinkommen auf Interesse stoßen könnte, kündeten bereits die ökonomischen Überlegungen in dem Harry Piel-Film „Der Herr der Welt“ von 1934: Roboter ersetzen darin  Zug um Zug schon den Menschen in der industriellen Produktion. Vom Produktivitätsgewinn fließt aber ein Teil an die Arbeiter, die nun arbeitslos geworden sind. Erklärter Zweck der Volkswirtschaft im Film ist es nämlich, den Menschen ohne notwendig erforderliche Lohnarbeit ein Auskommen zu ermöglichen. Gewinnt diese alte filmische Aussage nicht endlich einmal an Bedeutung, gerade unter den Arbeitslosenzahlen Eu-weit heute? Dem steht noch die Behauptung der Industrie entgegen: „Industrial Robots save production locations and millions of jobs!“ (International Federation of Robotics – IFR, 2014)

 

 

 

 

 

Deutschland ist laut International Federation of Robotics (2015) heute der fünftgrößte Robotermarkt der Welt.

Schon Ende 2008 hatten weltweit mehr als 1 Mio. Industrieroboter, 4,4 Mio. Service-Roboter und 2,8 Mio. Roboter für Unterhaltung- und Freizeit an allen erdenklichen Einsatzorten gearbeitet, wie das IFR Statistical Department in seinem Bericht „World Robotics 2009“ mitteilte. Führend war Japan mit 310 Industrierobotern pro 10.000 Beschäftigte (2008), gefolgt von Deutschland mit einer Industrieroboter-Dichte von 234 pro 10.000 Beschäftigte in der Verarbeitenden Industrie (2008). Zwischen 2008 und 2013 wuchs dann der Gesamtumsatz von Industrierobotern im Jahresmittel um rund 36 Prozent. Japan nimmt im Bereich der Roboterherstellung heute den weltweiten Spitzenplatz ein: Mehr als die Hälfte aller Roboterlieferungen weltweit kamen 2013 aus Japan, dem am stärksten automatisierten Land der Welt! Und jeder fünfte weltweit verkaufte Roboter wurde in China installiert.

R 100, ein Kommunikationsroboter, galt als erste Stufe eines „personal robot“. Seine Kriterien: Er sollte nett aussehen, eine nette Stimme haben und am Gesicht seinen Herrn erkennen können. Doch nicht nur mit der Gesichtserkennung haperte es und klappte es auch später noch nicht so richtig. Inzwischen liegen der Humanoid P3 und sein Nachfolger ASIMO des japanischen Honda-Konzerns jedoch schon weit vor ähnlichen Entwicklungen. Sollen wir uns als gebrechliche Alte oder Kranke einmal von Robotern bedienen und pflegen lassen? Wahrscheinlich, denn Politik und Wirtschaftskonzerne befördern schon seit Jahren mit dreistelligen Millionen-Beträgen die entsprechende Forschung in sogenannten Humanoiden-Projekten.

Allrounder ASIMO von HONDA: 1,30 m groß, 54 kg schwer, bis zu 6 km/Std. schnell

ASIMO in 2014: 1,20 m groß, 52 kg schwer. Hier begeistert er die Besucher auf der „International Autoshow“ in New York © DPA

Aber, je menschenähnlicher Bewegung und Aussehen werden, desto unheimlicher werden uns Roboter.

Der 2006 verstorbene polnische Science Fiction-Autor und Philosoph Stanislaw Lem warnte schon vor bloßem Kopieren und Perfektionieren: „Wir sollten vorsichtig sein… und unterscheiden, was wir haben, von dem, was wir haben könnten und was die ferne Zukunft bringt.“

 

 

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