…, wer nicht fragt, bleibt dumm – drum: ein Vorwort

Ich denke gern vielschichtig über Möglichkeiten und Geschehnisse nach. Erstere müssen meine Phantasie beschäftigen, weitere  mich berühren. Manchmal gelingt beiden Beides. Dann drängt es besonders  in mir und später auch aus mir heraus. Je nach Thema falle ich ins Wort oder male lyrische Bilder (Gedichte). Manches davon tat ich schon vor Längerem, anderes ist brandneu. Da ich vieles nicht in unserer Welt der gedanklichen Schachteln, Schubladen und Kommoden unterbringen wollte, logge ich mich im Web nun frei.

Vorwort

Was sich uns heute schlicht als Landschaft darbietet, was wir uns mit Verstand, Herz und Tun erschließen, wovon wir leben und woran wir uns ein Leben lang erfreuen – seien wir Einheimische, Zugezogene, Erholungssuchende, Durchreisende, Wissenschaftler, Künstler, Praktiker, seien wir Stadt- oder Landmenschen – Landschaft, viel diskutiert, viel gebraucht und leider auch viel missbraucht, ist für den Geographen ein äußerst komplexes Studienobjekt, allgemein für uns jedoch ein phänomenales Faszinosum, das uns bis in die tiefsten seelischen Schichten zu berühren vermag.

Kulturlandschaften entstehen durch Wertsysteme, im sorgenden und aktiv zu entwickelnden Umgang mit der Natur, unserer Umgebung, mit unseren Mitmenschen und mit uns selbst. Sie zeichnen oft den Wandel dieser Wertsysteme nach und bilden eine Verständnisbrücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Naturlandschaften dagegen – Landschaften, die sicherlich wohl vom Menschen berührt, aber nicht weitgehend umgestaltet wurden – lehren uns zunächst Staunen, laden uns aber auch zum demutsvollen Begreifen ihrer Erscheinung im Großen wie auch im großartigen Kleinen ein.

Frühkindliche Bildungsanstöße

Frühkindliche Bildungsanstöße in Geographie, Geologie etc. nach PISA, im Hort, z. B. in Nordrhein-Westfalen:

Dort Mund, da Essen! – Hier: Pott

Ggf. zusammen mit Familienhund-Apportierausbildung in Baden-Württemberg eine Mutter am Sandkasten des spielenden Kindes (Es wirft mit Sand und Steinen):

Fein, Sand! Duck´, Stein!

Gip´s Stein! Geh, schiebe devon!

Schon etwas anspruchsvoller in Bayern eine Mutter besorgt zum Kind, etwa so:

Ko-balt, s`is scho schwer spat!“

(„Komm bald, es ist schon sehr spät!“)

oder

zwei Jungens untereinander:

Stalag mi(t), stalag ti(t)!“

(„Schlägst Du mich, schlag´ ich Dich!“)

Ausruf einer bayerischen Mutter beim Anblick ihres nackten Säuglings am Strand des Starnberger Sees:

O(b) si Di an, Dünnschliff!“

(„Oh, sieh Dich an – Dünnschiss!“)

Drängen einer Mutter aus Baden-Württemberg auf Nachhausegehen vom Spielplatz:

Löss Kindl, Mar mor Kän ozoik um!“

(„Los Kind, mach mir keinen Ärger!“)

Hartz-IV(erlier)er

Fehlt dem Hartz-IVer Hauptschulrang,

wird´s gleich dem Fall-Berater bang.

Fehlt dem Hartz-IVer Bonität,

empfiehlt die Bank ihm Null-Diät.

War er zuvor auch noch verschuldet,

wird Freiheit ihm nie mehr geduldet.

Fehlt dem Hartz-IVer Pfand-asie,

kommt auf `nen grünen Zweig er nie.

Fehlt dem Hartz-IVer LIDL-Land,

sinkt sichtbar Einkaufwagens Rand.

Fehlt dem Hartz-IVer eine Frau,

steht er allein, die arme S…

Fehlt dem Hartz-IVer ein Kuscheltier,

dann kuschelt er vielleicht mit Dir?

Sehnsucht

Lebenskreuz,

nach außen gliedernd

nach innen gnadenlos.

Wühlend windend,

Wunden weh – Wunder weil

Wesen wahrendes Du.

Rauschend Grau so nah,

unruhige Wirrnis wohin?

Beschwerend saugende Tiefe,

dumpfer Druck, Blei auf der Brust,

hebend, klopfend, angst-enges Dunkel.

Atem schwer Entlastung sehnend.

Hoffend ahn ich die Berührung,

sanft begonnen, zu befördern.

Wärme spür ich, dich ertastend,

Neigung fassend, leidend lassend.

Hoffnung tragend, bebend,

liebend ineinander gehen.

In der Savanne Brasiliens: Über das Einsetzen der Regenzeit

 

Ich lag entspannt und etwas schläfrig in einem bequemen Schaukelstuhl. Unter dem Dach der breiten Veranda beobachtete ich blinzelnd nicht weit von mir einen katzengroßen braunen Nasenbären in der ausladenden Krone eines wuchtigen Mango-Baumes. Gewandt, mit stützendem Schwanz, balancierte er griffsicher durch Geäst und Blattwerk.

Mein Blick glitt in die Ferne, weit über die flachwelligen Hügel der Cerrados, wo gelblich-violette Bänder über dem staubgrauen Horizont zu huschen schienen. Darunter erstreckten sich endlos ausgedörrte Weideflächen. Nur schemenhaft waren kleinere Gruppen von weißlichen Rindern auszumachen. Sie schienen unter lichten Baumgruppen Schutz zu suchen.

Immer heftigere Böen heißer Winde strichen zu mir herüber – Vorboten der sich ankündigenden Regenzeit.

Der kleine Nasenbär war verschwunden. Hin und her gerissen, von nun plötzlich aufbrausenden Böen gepeitscht, wandten sich die Zweige an den Ästen des riesigen Mango-Baumes wie unter Schlägen in der unwirklichen Trübe des späten Nachmittages. Mit angelegten Blättern flohen sie mal in die eine, mal in die andere Richtung, als wüssten sie nicht, wohin sie entkommen sollten. Nur knapp strichen sie über das flach geneigte Schindeldach des alten Herrenhauses. Dann wurde es für einen Augenblick gefährlich still. Ich war nun hellwach und atmete gespannt, alle Sinne geschärft. Schmeichelnd-warme Luft strich mir nun langsam über die Haut und durch mein Inneres, schwach nach Ozon und erdigem Staub riechend. Die armgleichen Äste des Mangeira hingen wie erschöpft herab. Das windige Heulen und Pfeifen schien sich in irgendeinem Erdloch verfangen zu haben. Ein wenig noch erschauerten die Blätter mit einem Nachzittern, bevor sie sich in ihr Schicksal ergaben. Noch immer war kein Tropfen gefallen. Ein weiterer Windhauch, dann war es wieder still. Trügerische Ruhe.

Als der Himmel seine Pforten öffnete, saß ich demütig und erwartungsvoll, wie gebannt vor der landschaftlichen Kulisse. Das alles übertönende Trommeln unzähliger schwerer Tropfen ließ keinen Gedanken entstehen. Der Sturzregen nahm der dürstenden Erde bald alle Luft zum Atmen und schien sie unter sich ertränken zu wollen. Die hin und her schwingenden riesigen Äste des Mangeira schienen die Luftschlacht dirigieren zu wollen.

Bald schon schob sich krakenartig ein schwarzer Wasserfilm langsam von der Außenkante des Verandabodens zu mir hin, die glatten hölzernen Dielen mit dunklem Glanz überziehend. Zuerst noch etwas zögerlich aufeinander zukriechend, schlossen sich die Lachen bei Berührung schnell zusammen. Es gab kein Entrinnen. Unaufhörlich näherte sich das schmutzig-dunkle Nass der weißgetünchten Wand des ehemaligen Herrenhauses. Auf der erhöhten Schwelle der geöffneten Verandatür brachte ich mich in Sicherheit und beobachtete gebannt den Überlebenskampf der aus dem ertränkenden Boden getriebenen Bewohner. Giftige bleich-plumpe Erdschlangen, rötlich-rostdrahtige Würmer und große behaarte ockerbraune Spinnen schlängelten, zuckten und ruderten hilflos im jetzt schon knöchelhohen Wasser. Der ausgedehnte Garten, der allmählich zu einem tiefer und tiefer sinkenden Grund einer trüben See mit zahlreichen Schiffbrüchigen, ertrinkenden Sträuchern und Bäumen wurde, gab sein verborgenes Leben an der Oberfläche preis. Es roch seltsam gleichzeitig nach modriger Verwesung und Frische. Stürmischer Wind trieb mir heißen Regen ins Gesicht, und ich erwartete das Unbekannte.

Atommüll-Endlager, wo?

Niedersachsens Salzstöcke sind als Atommüll-Lager kaum geeignet – sind Salzlager etwa um Staßfurt, Bernburg und Roßleben die besseren Endlager?

Der Austritt radioaktiver Stoffe im niedersächsischen Atommüll-Forschungsberwerk Asse war und ist ein Skandal, der die Frage nach der geologischen Atomlager-Eignung von Salzstöcken generell neu aufwirft. Was sind die geologischen Besonderheiten der niedersächsischen Salzstöcke? Was sagen uns Erkenntnisse über Salzlösungszuflüsse und Langzeit-Korrosion? Sind mitteldeutsche Salzlager möglicherweise eine sinnvolle Alternative? Eine Studie der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit von 2007 behauptete das jedenfalls.

Noch einmal zur Erinnerung: Was geschah

Mindestens 80 Kubikmeter radioaktiv kontaminierte Salzlauge – mit zum Teil über dem Achtfachen der zulässigen Grenzwerte – sind kürzlich im niedersächsischen Forschungsbergwerk Asse II ausgetreten. Woher die Lauge stammt, ist ein Rätsel. Wie das Umweltministerium am 16.6.2008 bekanntgab, wusste das Landesbergamt schon seit 1997, dass radioaktiv belastete Lauge in die Deponie eindringt. In der Forschungs-Schachtanlage Asse, einem über 100 Jahre alten Salzbergwerk, ca. 15 km südlich von Braunschweig gelegen, wurden von 1965 bis 1995 Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die Endlagerung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle in Salzformationen durchgeführt. Eine Einlagerung von radioaktiven Abfällen fand seit 1979 hier jedoch nicht mehr statt.

Nach offiziellen Angaben trat in 750 Meter Tiefe an drei verschiedenen Stellen radioaktive Salzlauge aus. In diesem Bereich lagern große Mengen von Atommüll. Insgesamt wurden nach Angaben des Betreibers GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit 124.494 Gebinde mit einem Gesamtvolumen von rund 46.600 Kubikmeter (rund 88.000 Tonnen an schwachradioaktiven Abfällen) sowie 1.293 Gebinde mit einem Gesamtvolumen von rund 300 Kubikmeter und einer Gesamtmasse von rund 1.000 Tonnen an mittelradioaktiven Abfällen in die Schachtanlage eingelagert. Seit 2005 waren 77 Kubikmeter der belasteten Lauge abgepumpt und auf der 975-Meter-Sohle abgelagert worden. Woher das nachgewiesene Radionuklid Cäsium 137 stammt, ist noch immer unklar.

Das Helmholtz-Zentrum München räumte außerdem den Fund von Strontium, Radium und Plutonium ein.

Was macht die niedersächsischen Salzstöcke geologisch so bedenklich?

Das nördliche Harzvorland umfasst eine weitgedehnte Mulde, in der eine regelmäßige Schichtenfolge von Zechsteinsalzen, Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Jura und Kreide auftritt. Im Zuge der Heraushebung des Harzes und durch den Druck dieser uralten Grundgebirgs-Scholle gegen ihr nördliches Widerlager „Flechtinger Höhenzug“ (Abb. s. u.) wurden die dazwischen liegenden Schichten verformt, verpresst und steilgestellt. So entstanden die salztektonischen Sättel des Zechsteins, aus denen wir u. a. unsere Kali-Salze gewinnen. Dieses sogenannte Zechstein-Salinar begann vor 100-200 Mio. Jahren unter dem zunehmenden Belastungsdruck des auflagernden Gebirges und bei erhöhten Temperaturen plastisch und fließfähig zu werden. Die 227 m hohe Asse, ein Höhenzug zwischen Wolfenbüttel und Schöppenstedt, ist wie der größere Elm südöstlich von Braunschweig durch das oben skizzierte Aufpressen von Salzablagerungen entstanden.

Treten also bruchtektonische Strukturformen innerhalb einer salinaren Schichtenfolge und ihrer vor- und nachgelagerten Schichten auf, so setzen Salzlösungszuflüsse ein. Diese Zuflüsse sind in Abhängigkeit von der jeweiligen tektonischen Situation und Schichtenfolge unterschiedlich groß. Unterirdische Auslaugung (Subrosion) tritt aber auch ohne Bruchstörungen auf, nämlich dann, wenn die salinare Schichtenfolge bis in die grundwasserführenden Schichten emporgehoben wurde. Wenn sich Bruchstörungen jedoch verschneiden oder Sattelzonen kreuzen, treten allerdings die größten Zuflussmengen auf.
Bei dem seit mehr als 150 Jahren betriebenen Abbau von Kali- und Steinsalz wurde dieser Zusammenhang immer wieder beobachtet. Ingenieurgeologisch als besonders problematisch werden im nördlichen Harzvorland einige Auslaugungsgebiete über den Salzsätteln eingestuft. Die Zechsteinschichten sind in den nordwest-südost-verlaufenden Sätteln mit steilen bis fast senkrechten Flanken aufgedrungen. Durch die oberflächliche Auflösung der Salze sind in den Sattelköpfen Auslaugungsgebiete mit sogenannten Gipshüten, kompletten Einsturzgebirgen und häufig auch Füllungen mit eiszeitlichen Schmelzwassersanden enstanden.i Hier reicht gelegentlich auch das über dem Salz liegende Gipsgestein („Gipshut“) bis an Oberflächennähe, und das darunterliegende Salz trifft man schon in 100–150 m Tiefe an. Der noch recht unerfahrene Kalibergbau des 19. Jhs. eröffnete dem Süßwasser vielfach Zugang zu den Grubenbauen, diesen „soffen“ in der Folge oft ab und leiteten eine intensive nachhaltige unterirdische Auslaugung und Erosion ein. Für den nördlich des Kartenbildes liegenden Endlager-Salzstock Gorleben schloss der angesehene Kieler Geowissenschaftler Prof. Dr. Klaus Duphorn aus seinen Geländebefunden bereits 1988, „dass im potentiellen Endlager-Störfall das Deckgebirge des Salzstocks Gorleben eine langfristige Schutzfunktion nicht erfüllen kann. Wenn Radionuklide aus dem Endlagersalzstock in das quartäre Deckgebirge gelangen, ist mit einer sehr raschen radioaktiven Gefährdung des Grund- und Oberflächenwassers zu rechnen.“

Sind die Salzstöcke im östlichen Deutschland möglicherweise eine Alternative?

Ziel eines besonderen Forschungs-Vorhabens der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) ii war es daher, aus der oben beschriebenen Tatsache nun endlich belastbare Kriterien für die Dichtheit von geologischen Barrieren für Produktionsgruben, Endlager, Untertage-Deponien und Versatzbergwerke zu finden. Erfasst und bewertet wurden in dem Forschungsprojekt 5.901 chemische und physikalische Analysen der Salzlösungszuflüsse im Salzbergbau Mitteldeutschlands. Die jeweiligen geologisch-hydrogeologischen Verhältnisse an den Zuflussstellen wurden ebenfalls untersucht. Der seit 2007 vorliegende Projektbericht kommt im Hinblick auf Standortcharakteristik und -auswahl von Endlagern in Salzformationen zu folgenden Schlüssen:

Als besonders günstig für die spätere Nutzung von Salzbergwerken als Endlagerbergwerke werden folgende Faktoren angesehen:

  • Bereiche von flacher bis flachwelliger Lagerung des Lagerstättenhorizontes, jedoch außerhalb von Sattelzonen, um Zerrungsbereiche zu meiden und außerhalb von Subrosionsbereichen (Gipshut).
  • Keine Bruchstörungen und intensiv ausgebildete Großkluftzonen im Deckgebirge und im Salinar.
  • Die Existenz von ausreichend mächtigen Barrieren gegen wasserführende Schichten im Hangenden und Liegenden.

Zur Bewertung von kritischen Spezialfällen sind folgende Erkenntnisse bedeutsam:

  • Das Gefährdungspotential von Salzlösungszutritten in Kali- und Steinsalzgruben muss durch komplexe Gefährdungsanalysen mit ausreichender Sicherheit abschätzbar sein.
  • Geochemische Untersuchungen sind wichtig, aber allein nicht ausreichend. Eine Verknüpfung mit geologisch-strukturellen Untersuchungen (komplexe Analyse) wird dringend empfohlen.
  • Der Chemismus der Salzlösungszuflüsse korreliert mit den in den Grubenbauen anstehenden Salzgesteinen (lokale Beeinflussung) und wird zusätzlich, aber in geringerem Maße, von der regionalen geologischen Position der Salzgruben im Zechsteinbecken bestimmt (regionaler Einfluss).
  • Die Schüttungsmengen der Salzlösungszuflüsse nehmen mit wachsender Entfernung der Bergwerke vom Ausgehenden am Randbereich der Sedimentbecken ab (Thüringer Becken, Werra-Fulda-Becken, Subherzynes Becken).
  • Grundsätzlich sind Salzlösungszutritte auf Gebiete konzentriert, in denen die im post- und präsalinaren Gebirge allgegenwärtige, bereits bei der Diagenese der Sedimente erworbene primäre Zerklüftung durch weitere Bruchprozesse, vor allem durch Großklüfte, Kluftzonen, Störungen und deren Kombination, überprägt wurde.“

Nun enthält dieses Fazit keine grundsätzlich neuen Erkenntnisse. Aber es entstammt einer ersten wissenschaftlich fundierten Datenaus- und -bewertung von immer wieder beobachteten und aufgezeichneten Zuflussproblemen, die die Zwischen- und Endlagereignung des niedersächsischen Zechsteinsalinars gerade vor dem Hintergrund der Vorfälle im Asse-Bergwerk erneut in Frage stellt. Als besonders vorteilhaft für die Einrichtung neuer Bergwerke werden Gebiete in Mitteldeutschland mit großen Mächtigkeiten des Staßfurtsteinsalzes von über 500 m ein, wie sie in den Räumen Staßfurt, Bernburg, Teutschenthal und Roßleben in jeweils bergmännisch beherrschbaren Tiefen („Teufen“) auftreten. Hier wurden bereits 149 Kavernen für Erdöl und Erdgas errichtet, 51 weitere sind im Bau befindlich.

Alte Gefahren, neue Standorte

In Anbetracht des Geschehens im Forschungsbergwerk Asse sowie der Endlager-Standorte Gorleben und Schacht Konrad bei Salzgitter stellen sich alte wie neue Fragen. Auch die Frage nach der qualitativen Beurteilung und quantitativen Überprüfung der Verpackungsgebinde gehört zu diesem (wieder) offenen Fragenkreis. Seit längerem nämlich werden vom Forschungszentrum Karlsruheiii Auslaug- und Korrosionsexperimente mit simulierten zementierten Abfallprodukten gemacht, die an Gebinden realer Größe über mehr als 20 Jahre in Salzlösungen bzw. in Wasser gewonnen wurden (pH-Werte, Dichten, Lösungszusammensetzungen, Freisetzung von den Radionukliden Cäsium, Uranium und Neptunium). Cäsium und Nitrat wurden dabei als Indikatoren für Zementkorrosion ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, dass das Korrosionsverhalten und die Freisetzung von Cs und NO3 vom Porenvolumen des abgebundenen Zementproduktes und damit vom sog. „Wasser zu Zement Wert“ (W/Z) abhängt. Aber, welche Kriterien waren denn vorher maßgeblich? Welche Korrosionskriterien haben etwa Hochbau-Ingenieure aus vielen Jahrzehnten Erfahrungen im Staudammbau oder bei Brückenpfeilerkonstruktionen in allen Wässern der Erde geschöpft? Wurde dieses Wissen angewandt?

Nun handelt es sich bei Endlagerbergwerken weder um Erdöl- oder Erdgas-Kavernen, noch bei den einzulagernden Materialien um Hausmüll. Bereits seit den 50er Jahren ist nämlich bekannt, dass es prinzipiell keine unschädlichen Strahlenmengen gibt. Und: Sichere Toleranzwerte gibt es ebenfalls nicht. Jede radioaktive Strahlung erzeugt ihren Anteil an Krebs, Gen-Schädigungen mit zukünftigen Folgen und verkürzt die Lebenserwartung.

Das in der Asse ausgetretene Cäsium 137 fällt als Spaltprodukt immer in großen Mengen an. Es hat eine Halbwertzeit von 33 Jahren und eine große Strahlungskraft. Es ist eines der wenigen Radioelemente, die in alle Zellen eingebaut werden können. Das Zerfallsprodukt von dem ebenfalls ausgetretenen Strontium, das Yttrium-90, konzentriert sich dagegen in der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Da diese Drüse durch die Steuerung der Lipoidproduktion in Lungenzellen den Kollaps der Lunge kurz vor der Geburt eines Kindes verhindert, können schon leichte, durch Radioaktivität verursachte Schäden u. U. zu einer Lungenfunktionsstörung mit Todesfolge unmittelbar nach der Geburt führen.

Das festgestellte Plutonium ist ein 211.000 mal effektiverer Lungenkrebserzeuger als der sehr canzerogene Aromatische Kohlenwasserstoff Benzo(a)pyren, der u. a. bei unvollständiger Verbrennung anfällt (Achtung beim Grillen und beim Untergraben von Aschen im Gemüsegarten!). Plutonium ist bei einer für den Menschen angenommenen tödlichen Inhalationsdosis von einem Millionstel Gramm (1 μg) im Vergleich zu Arsen bis 300.000 mal, zu Zyankali bis zu 200.000 mal und zu Heroin bis zu 75.000 mal giftiger!iv

Es gibt aber auch ein altes alternatives Endlagerkonzept.v Hiernach ist vorgesehen, den in Glasblöcke eingeschmolzenen hochradioaktiven Atommüll in Tiefbohrungen in älteren Rotliegend-Salzmauern kontrolliert zu versenken. Nach der Befüllung werden die Bohrlöcher z. B. mit Beton versiegelt.

i Duphorn, K. (1988): Gorleben – Geologisches Gutachten zur Schacht- und Endlagerproblematik.- 141 S.; Univ. Kiel.

ii Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (Hrsg., 2007): Salzlösungszuflüsse im Salzbergbau Mitteldeutschlands.- GRS mbH und Büro Dr. Schwandt (Erfurt); GRS, 226.

iii Forschungszentrum Karlsruhe (Hrsg., 2004): Langzeit Auslaug- und Korrosionsexperimente an zementierten 1:1 Gebinden in der Schachtanlage Asse.- Inst. f. Nukleare Entsorgung, GSF –Forschungszentrum f. Umwelt u. Gesundheit, Forschungsbergwerk Asse; FZKA 7059.

iv Strohm, H. (19816): Friedlich in die Katastrophe. Eine Dokumentation über Atomkraftwerke.- Frankfurt a. M..

v Hofrichter, E. (1980): Probleme der Endlagerung radioaktiver Abfälle in Salzformationen.- Z. dtsch. Geol. Ges., 131: 409-430; Hannover.

Zivilisationsentwicklung und Landdegradation – Ein Blick auf Wendezeiten

Meine Überzeugung ist es, dass an einer bewussten Wahrnehmung der physischen Erscheinungen unserer Erde zeitgleich eine Sensibilisierung für das Geistige dahinter geübt werden kann. Das wird aber nur dann sinnvoll sein, wenn ein lebendiges Bild z. B. vom Boden oder von einer Landschaft sowie von Intention und Intensität menschlicher Handlungen entstünde und wir als Lehrer mit unseren Schülern gemeinsam im Unterricht aus dem Begreifen des Phänomens heraus und nicht am Modell begrifflich arbeiten würden. Denn Böden und Landschaften sind auch geographisch-historische Raum- und Zeitbrücken, weil sie dem interessierten Betrachter Wesentliches, zuvor zeitlich und räumlich mitunter weit Getrenntes (Geist und Tätigkeit in Vergangenheit und Gegenwart) zugleich und unverfälscht zeigen.

Man kann daher den Satz Christoph Lindenbergs, der auf die Notwendigkeit einer bewussten Hinwendung zu unserer technischen Kultur drang, nicht eindringlich genug zitieren: „Die innere Welt kann sich nur an der äußeren richtig ausbilden, sonst verliert sie (buchstäblich, d. Verf.) den Boden unter den Füßen und wird zu einer endlos mit sich selbst beschäftigten Subjektivität.“

 

Wendezeiten

Zwei große dramatisch verlaufene Veränderungen in der Geschichte der Menschheit sind für unser Verständnis des Themas äußerst wichtig: Es handelt sich um die neolithische (neusteinzeitliche) und die wissenschaftlich-industrielle Revolution.

Die vorgeschichtliche Zeit des Menschen, in der er nur begrenzt seine Umwelt nachteilig und nachhaltig veränderte, endete vor 12.000 bis 10.000 Jahren. Bis dahin galt die Natur als wohl schlimmster Feind seiner Umwelt. Nun begannen aber die ehemaligen Jäger und Sammler Wildgetreide wie Hirse, Gerste und Weizen geregelt anzubauen und zu kultivieren. Wildtiere wie Schafe, Schweine, Ziegen, Esel, Pferde, Rinder und Kamele wurden domestiziert. Parallel entwickelten sich erste dauerhafte Siedlungen. (Das zwischen 8.000 und 6.000 Jahren sich entwickelnde Jericho gilt als eine Vorstufe städtischer Hochkultur.) Während die Menschen zuvor als Sammler und Wildbeuter durch wechselnde Gruppengrößen und verändertes Wanderungsverhalten noch „elastisch“ auf wechselnde Nahrungs- und Rohstoffgegebenheiten reagieren konnten, änderten sich die Bedingungen mit Beginn der Sesshaftwerdung rapide. Diese erforderte ein besonders hohes Maß der Organisation auf allen Ebenen menschlicher Daseinsfunktionen (Wohnen, Arbeiten, Sich kleiden, Sich versorgen) sowie ihrer Beziehungen untereinander. Die in den Tälern des Nil, des Euphrat und Tigris, des Indus und Hwangho entstandenen bedeutenden Hochkulturen zeugen davon noch heute in vielfältiger Weise.

Die hierarchisch gegliederten, wachsend arbeitsteiligen Gemeinschaften hatten das Bedürfnis nach Ausdehnung ihrer Machtbereiche und damit einhergehenden zunehmenden Raumbedarf. Über Stadtstaaten entwickelten sich die ersten Weltreiche und erst mit ihnen und ihrem Ausdehnungsdrang begannen unsere heute bekannten Weltprobleme. Als hilfreich für ein vertrieftes Verständnis sei deshalb noch ein kurzer Rückblick auf die jüngere Geschichte gestattet. Es soll dafür die Wendezeit um die Mitte des 15. Jahrhunderts, die ja erst den modernen Materialismus, mithin die riesige Spannweite zwischen technischem Fortschritt und ethischem Rückschritt sichtbar werden ließ, etwas stärker ins Blickfeld genommen werden. Damals leitete der in spanischen Diensten stehende Genuese Cristoforo Colombo mit dem Erreichen einer karibischen Insel 1492 die Eroberungs-, Plünderungs- und Erforschungsgeschichte des amerikanischen Kontinents ein; aber ehe die Vorstöße in die Weite und Tiefe des Raumes erfolgten, hatten sich Bewusstsein und Wille dahin entwickelt, so etwas wie ein `irdisches Paradies aus eigener Kraft, Macht und Schlauheit zu schaffen. Gesteigert auf eine bis zur Besessenheit reichenden Begierde (curiositas et cupiditas) auf das Erfahr-, Mach-, Besitz- und Beherrschbare, waren diese Taten offenbar nur möglich, wenn man sich als Subjekt, als ego-starkes Individuum empfand.  Also muss der eigentliche Wendepunkt der Geschichte schon vorher, vor der Neudefinition der Grenzen der Welt durch Kolumbus und der damit verbundenen Umkehr der Bedingungen für Produktion, Wohlstand und Macht, vor dem Wirken eines Machiavelli, Erasmus von Rotterdam, Luther und Kopernikus erfolgt sein. Geht man den unterschiedlichen Definitionen dieses Wendepunktes durch die Historiker nach, so stößt man auf einen Namen im 17. Jahrhundert, auf Christoph Keller, der, auch bekannt als Cellarius, eines seiner Bücher mit Historia Nova betitelt hatte. Er erwähnt dort eine besonders interessante zeitliche Wendemarke, das Jahr 1453. In diesem Jahr nämlich eroberten die Türken Konstantinopel und bewirkten den Abzug der griechischen Gelehrten u. a. nach Italien, von wo aus sie ihre bis dahin in Europa wenig bekannte griechische Kultur von nun an verbreiteten. Der materielle Hauptstrom dieser Kultur ergoss sich mit Hilfe des in der Folge Gutenbergs zeitnah aufblühenden Druckerei- und Verleger-Gewerbes über ganz Europa und nahm den uns bekannten durch und durch materialistischen Charakter an.

Die Steigerung der Produktivität bei zunehmendem Energiebedarf, der daraus resultierende Bevölkerungszuwachs und die damit wiederum einhergehende Ressourcenausschöpfung führten zu den uns sattsam bedrängenden Umweltschäden und klimatischen Veränderungen.

Heiligabend 2011

 – ein himmlisches Ereignis

Weihnachtsgänse und Dezember –

gräulicher ist nur November!

Engel und Posaunenschall?

Frohkonsum allüberall.

Seht himmelwärts: ein Licht im Dunkeln!

Wahnsinn, Wahnsinn! schrei´n die Leut.

Weltraum-Schrott! die Medien munkeln,

hoffend war nur kurz die Freud´.

Ach, der Mensch strebt in den Himmel,

ob im Vergehen oder Werden,

sieht vor lauter Festgetümmel

nicht die Hoffnung hier auf Erden;

Denn Kinder zeigen immer wieder

uns im Spiegel, was sie sind.

Sie sind Hoffnung, sind wie Lieder.

Alle Zukunft liegt im Kind.

La Guerra di Pasta

oder

Des Siegers Triumph

Oh Spaghetti, Spaghetti!

Baumelnd und taumelnd

Entseelten Leibern gleich,

so bleich –

Erhängte an meiner Gabel!

Oh Spaghetti, Spaghetti,

verdrillt und gewunden,

von Zinken geschunden –

gelingt es mir,

euch einzufangen,

erdrosselt, kalt und abgehangen.